Elf Bergretter kämpften sich bei Schneefall zum erschöpften Bergsteiger vor. (Bildquelle: Bergrettung Mühlbach)
Ein 20-jähriger Bergsteiger ist am Königsjodler-Klettersteig im Hochkönigmassiv in Bergnot geraten. Seine beiden Begleiter stiegen weiter, während er erschöpft und unterkühlt auf rund 2.600 Metern Höhe zurückblieb. Elf Bergretter kämpften sich bei Schnee, Eis und schlechter Sicht durch die Nacht. Die Rettung dauerte rund 14 Stunden.
Trotz Warnungen in Klettersteig eingestiegen
Am Samstagnachmittag, 31. Oktober 2026, stiegen drei junge deutsche Bergsteiger bei Mühlbach am Hochkönig in den Königsjodler-Klettersteig im Hochkönigmassiv ein. Obwohl eine andere Bergsteigerin die Gruppe ausdrücklich gewarnt hatte und die Wetterprognose schlecht war, begannen die drei ihre Tour erst spät am Tag.
Im Bereich des Notausstiegs auf rund 2.600 Metern Höhe konnte einer der Männer nicht mehr weiter. Der 20-Jährige war erschöpft und setzte gegen 19 Uhr einen Notruf ab. Seine beiden Begleiter setzten den Aufstieg fort und erreichten noch in der Nacht das bereits geschlossene Matrashaus auf 2.941 Metern Höhe.
Bergrettung kämpft sich durch Schnee und Eis
Elf Einsatzkräfte der Bergrettung Mühlbach machten sich auf den Weg zum unterkühlten Bergsteiger. Der Aufstieg von der Stegmoosalm führte durch vereistes, steiles Gelände. Schneefall und schlechte Sicht erschwerten die Rettungsarbeiten erheblich.
Ein alarmierter Rettungshubschrauber C14 konnte aufgrund der Wetterbedingungen nicht zum Verunglückten fliegen.
Während des Aufstiegs hielten die Einsatzleitung und der Pongauer Bezirksleiter der Bergrettung telefonisch Kontakt mit dem 20-Jährigen. Sie wiesen ihn an, in Bewegung zu bleiben und keinesfalls alleine abzusteigen. Erst kurz vor Mitternacht erreichten die Bergretter den jungen Mann.
Eis, Neuschnee und schlechte Sicht erschwerten den Abstieg durch das Birgkar. (Bildquelle: Bergrettung Mühlbach)
Lebensgefährlicher Abstieg bei starkem Schneefall
Die eigentliche Herausforderung begann beim Abstieg durch das steile Birgkar. Inzwischen hatte sich das Wetter weiter verschlechtert. Rund 20 Zentimeter Neuschnee bedeckten den vereisten Steig, der kaum noch zu erkennen war. Die Einsatzkräfte mussten den 20-Jährigen anseilen, um ihn sicher durch das gefährliche Gelände zu bringen. Zusätzlich erschwerten Schneerutsche die Bergung.
Am Sonntagmorgen um 8.18 Uhr erreichte die Rettungsmannschaft mit dem 20-Jährigen die Erichhütte. Der Einsatz dauerte insgesamt rund 14 Stunden.
Nach Einschätzung der Bergrettung befand sich der junge Mann aufgrund der Witterungsbedingungen in einer lebensbedrohlichen Situation. Die beiden Begleiter, die ihren Aufstieg zum Matrashaus fortgesetzt hatten, befanden sich zum Zeitpunkt der Einsatzmeldung auf dem Abstieg über den Normalweg in Richtung Arthurhaus.
Die Alpinpolizei hat Ermittlungen zu den Umständen des Vorfalls aufgenommen.
Bergrettung warnt vor Selbstüberschätzung
Die Bergrettung nimmt den Vorfall zum Anlass, auf die Gefahren mangelnder Tourenplanung und Selbstüberschätzung im alpinen Gelände hinzuweisen. Besonders bei schwierigen Wetterbedingungen sei es wichtig, Warnungen ernst zu nehmen und rechtzeitig umzukehren. Eine weitere Nacht unter diesen Bedingungen hätte der 20-Jährige nach Einschätzung der Bergrettung vermutlich nicht überlebt.