Internationales Schleppernetzwerk zerschlagen – 130 Festnahmen
Redaktion Polizeiticker Österreich
Der Gewinn der Schlepper wird auf über eine Milliarde geschätzt. (Bildquelle: LPD Steiermark)
Im Rahmen der internationalen Operation «ANCORA» haben Ermittler ein grosses Schleppernetzwerk entlang der Südost-Balkanroute zerschlagen. Mehr als 130 Verdächtige wurden festgenommen. Die Organisation soll über 100’000 Menschen illegal nach Mitteleuropa geschleust haben.
Operation «ANCORA» gegen internationales Schleppernetzwerk
Europaweite Ermittlungen führten zur Zerschlagung eines Schleppernetzwerks entlang der Südost-Balkanroute. Die Tätergruppe soll mehr als 100’000 Menschen illegal nach Mitteleuropa geschleust und dabei Gewinne in Milliardenhöhe erzielt haben. Es kam zu mehr als 130 Festnahmen. Details präsentierten Polizei und Justiz am 10. März 2026 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenminister Gerhard Karner in Graz.
Südsteiermark als Ausgangspunkt der Ermittlungen
Ermittlern der Polizeiinspektion Spielfeld-FGP ist ein bedeutender Schlag gegen eine der aktivsten Schlepperorganisationen entlang der Südost-Balkanroute gelungen. Im Rahmen der Operation «ANCORA» konnten in Kooperation mit nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden mehr als 130 Tatverdächtige festgenommen und eine weit verzweigte Struktur der organisierten Kriminalität bis in höchste Hierarchieebenen entscheidend geschwächt werden.
Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt, mehreren Landeskriminalämtern, der Staatsanwaltschaft Wien sowie internationalen Polizeibehörden. Europol koordinierte dabei die internationalen Ermittlungsstränge.

Insgesamt wurden 130 Kriminelle festgenommen. (Bildquelle: LPD Steiermark)
Den Ausgangspunkt der Ermittlungen bildeten unter anderem Schwerpunktaktionen der steirischen Fremdenpolizei im Grenzraum zu Slowenien. Im Dezember 2023 kam es im Bezirk Leibnitz zu einer riskanten Flucht eines mutmasslichen Schlepperfahrzeugs. Der Lenker durchbrach eine Polizeisperre und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit.
Trotz Schussabgaben der Polizei konnte das Fahrzeug zunächst entkommen, verunfallte jedoch kurze Zeit später. Im Auto befanden sich acht geschleppte Personen aus Syrien, die unverletzt blieben. Der mutmassliche Schlepper flüchtete.
Hierarchisch organisierte Täterstruktur
Diese Ermittlungen führten schliesslich zur gross angelegten Operation «ANCORA». Dabei deckten die Ermittler eine international organisierte Schlepperstruktur auf, die von einem syrischen Clan geführt worden sein soll. Die Organisation soll mehrere hundert Mitglieder umfasst haben.
Entlang verschiedener Routenabschnitte sollen fünf Teilorganisationen mit jeweils bis zu 80 Fahrern aktiv gewesen sein. Zwischen Herbst 2023 und Mai 2025 sollen mehr als 100’000 Menschen von der Türkei über Südosteuropa und Österreich bis nach Deutschland geschleust worden sein. Der illegale Gewinn wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

Das Schleppernetzwerk hatte über 100'000 Menschen geschmuggelt. (Bildquelle: LPD Steiermark)
Hauptverdächtige in Untersuchungshaft
Als logistischer Dreh- und Angelpunkt galt ein Handyshop in Wien-Ottakring. Bei einem koordinierten Zugriff im Mai 2025 mit rund 60 Einsatzkräften der Wiener Polizei sowie Spezialkräften von Cobra und WEGA wurden sechs Hauptverdächtige festgenommen. Sie befinden sich seither auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in Untersuchungshaft.
Bei Hausdurchsuchungen wurden Waffen und Suchtmittel sichergestellt. Die Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren stammen aus Afghanistan, Syrien und der Russischen Föderation.
Bei weiteren Tatverdächtigen handelt es sich überwiegend um Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren aus Moldau, Rumänien, Georgien und der Ukraine. Viele von ihnen wurden über soziale Netzwerke für verschiedene Aufgaben innerhalb des Netzwerks angeworben.
Umfangreiche Ermittlungen über mehrere Jahre
Die Ermittlungen zählen zu den umfangreichsten Verfahren im Bereich der Schlepperkriminalität der letzten Jahre. Ermittler führten mehr als 150 Einvernahmen durch, werteten hunderte Mobiltelefone aus und analysierten mehrere Terabyte an digitalen Daten.
Zudem konnten über 1’000 Schlepperfahrzeuge identifiziert werden. Auch eine tödlich endende Flucht eines Schlepperfahrzeugs in Kroatien mit drei Todesopfern konnte aufgeklärt werden. Der Ermittlungsakt umfasst mittlerweile rund 14’000 Seiten.
Quelle der Polizeinachricht: LPD Steiermark