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Ungelöst – Susi Greiner – rätselhafter Tod in den Tiroler Bergen

Redaktion Polizeiticker Österreich

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Eine Frau mit blonden Haaren trägt einen Rucksack und befindet sich in einer verschneiten Landschaft mit Bäumen im Hintergrund.
Susanne Greiner (Bildquelle: Privat)

Verstreute persönliche Gegenstände, rätselhafte Umstände und eine Tote in fast 2.000 Metern Höhe: Der Tod der 28-jährigen Susi Greiner wirft bis heute Fragen auf. Die Behörden gehen von einem tragischen Unglück aus, doch ihre letzten Stunden konnten nie vollständig rekonstruiert werden.

Ein neuer Fall unserer «Ungelöst»-Reihe führt uns heute nach Tirol. Im Sommer 2006 arbeitet die Deutsche Susanne «Susi» Greiner als Kellnerin in Steinberg am Rofan. Die 28-Jährige kennt die Berge und gilt nicht als völlig unerfahrene Wanderin. Anfang August verschwindet sie plötzlich. Ab dem 3. August 2006 gilt Susi offiziell als vermisst.
Was in den folgenden Tagen gefunden wird, wirft Fragen auf und lässt sich bis heute nicht vollständig zu einem schlüssigen Ablauf zusammensetzen.

Persönliche Gegenstände tauchen an verschiedenen Orten auf

Susis Auto wird auf einem Parkplatz im Bereich des Engtals entdeckt. Doch ihre übrigen Sachen befinden sich nicht gesammelt an einem Ort. Nach und nach werden persönliche Gegenstände an unterschiedlichen Stellen gefunden.
Darunter befindet sich auch ein Rucksack mit ihrem Laptop. Laut späterer ORF-Berichterstattung war die Festplatte des Computers gelöscht worden. Auch Kleidungsstücke und weitere persönliche Gegenstände liegen verstreut im Tal. Während der Suche wird zudem Susis Hund gefunden.
Warum die 28-Jährige ihre Sachen zurückgelassen haben könnte und welchen Weg sie nach dem Verlassen ihres Autos nahm, lässt sich nicht eindeutig rekonstruieren.
Dann machen Suchende rund zwei Wochen nach ihrem Verschwinden eine schreckliche Entdeckung.

Susi wird unbekleidet in den Bergen gefunden

Am 19. August 2006 wird im Bereich der Gumpenspitze im Karwendel ein weiblicher Leichnam entdeckt. Die Tote wird wenig später als Susi Greiner identifiziert.
Ihr Körper befindet sich ungefähr 100 Meter unterhalb des Gipfelbereichs, auf fast 2.000 Metern Höhe und damit erheblich oberhalb jenes Parkplatzes, an dem ihr Auto gefunden worden war. Susi ist vollständig unbekleidet.
Die Obduktion in Innsbruck ergibt als Todesursache eine Unterkühlung des gesamten Organismus. Eine tödliche Gewalteinwirkung können die Rechtsmediziner nicht feststellen. Als auffällige äussere Verletzung wird eine Platzwunde am Kopf beschrieben, die nach Einschätzung der Rechtsmedizin durch einen Sturz oder ein Abrutschen im felsigen Gelände entstanden sein könnte.
Dass Susi unbekleidet gefunden wird, muss dabei nicht zwangsläufig auf die Beteiligung einer anderen Person hindeuten. Bei schwerer Unterkühlung kann es zum sogenannten paradoxen Entkleiden kommen: Betroffene empfinden aufgrund der fortschreitenden Hypothermie plötzlich ein starkes Wärmegefühl und ziehen ihre Kleidung aus. Ob dies bei Susi tatsächlich geschah, konnte allerdings nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden.
Eine Person mit hellem Haar und dunklem Rucksack wandert in einem Wald mit Bäumen und Gras.
Susanne Greiner verschwand im August 2006 (Bildquelle: Privat)

Susis Mutter zweifelt

Für die Ermittlungsbehörden ergeben sich keine ausreichenden Hinweise auf ein Tötungsdelikt. Bei Susis Mutter bleiben dennoch Fragen.
Dabei bezweifelt sie nicht zwingend, dass ihre Tochter letztlich an Unterkühlung starb. Für sie ist vielmehr entscheidend, wie Susi überhaupt in diese lebensgefährliche Situation geraten konnte – und ob möglicherweise eine andere Person daran beteiligt gewesen sein könnte.
Besonders irritiert die Familie der Weg, den Susi nach der angenommenen Rekonstruktion zurückgelegt haben müsste. Sie soll ohne Schuhe durch teilweise felsiges alpines Gelände gelaufen sein. Nach Darstellung ihrer Mutter seien an den Fusssohlen jedoch keine Verletzungen festgestellt worden, die sie bei einem solchen Aufstieg erwartet hätte.
Auch die weit voneinander entfernt gefundenen Gegenstände und die gelöschte Festplatte ihres Laptops sorgen für Misstrauen. Wann die Daten gelöscht wurden und ob überhaupt eine andere Person dafür verantwortlich war, liess sich allerdings nicht feststellen.
Susis Mutter kritisiert ausserdem die damalige Spurensicherung. Ihrer Darstellung zufolge seien unter anderem das Auto und verschiedene persönliche Gegenstände nicht in dem Umfang kriminaltechnisch untersucht worden, den sie angesichts der ungewöhnlichen Umstände für notwendig gehalten hätte.

Ein anderer Fall sorgt für neue Zweifel

Im Jahr 2008 bekommt die Diskussion um Susis Tod neue Aufmerksamkeit. Grund dafür ist ein anderer Fall aus Tirol.
Der deutsche Saisonarbeiter Raven Vollrath war wenige Monate vor Susi verschwunden und später tot aufgefunden worden. Zunächst war auch bei ihm ein Erfrierungs- beziehungsweise Unfallgeschehen angenommen worden. Mehr als zwei Jahre später stellte sich jedoch heraus, dass Vollrath mit einem Messer getötet worden war. Ein Bekannter wurde später wegen Totschlags verurteilt.
Der Fall löst Kritik an den damaligen Ermittlungen aus. Auch Susis Mutter wendet sich an die ORF-Sendung Thema. Die Frage steht im Raum, ob möglicherweise auch bei ihrer Tochter etwas übersehen worden sein könnte.
Doch trotz der Parallelen gibt es einen entscheidenden Unterschied: Für ein Gewaltverbrechen an Susi Greiner wurde kein belastbarer Nachweis gefunden.

Der Fall wird erneut überprüft

Auch deutsche Behörden beschäftigen sich später mit den Umständen ihres Todes. Eine vom österreichischen Justizministerium 2013 veröffentlichte Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hält fest, dass weder die österreichischen noch die deutschen Ermittlungen Anhaltspunkte für Fremdverschulden ergeben hätten.
Eine von der Staatsanwaltschaft Meiningen in Auftrag gegebene operative Fallanalyse kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt vorliegen. Nach Einschätzung der Fallanalytiker lassen sich die bekannten Spuren durch ein Unfallgeschehen erklären, möglicherweise ausgelöst oder begleitet von einem Verwirrtheitszustand.
Auch ein zusätzliches rechtsmedizinisches Gutachten des Universitätsklinikums Jena findet bei einer erneuten Bewertung der vorhandenen Beschreibungen und Fotos keinen Hinweis auf Fremdverschulden. Ein Tod durch Unterkühlung wird aus rechtsmedizinischer Sicht als nachvollziehbar angesehen.

Was geschah mit Susi Greiner?

Nach dem offiziellen Ermittlungsstand gibt es somit keinen Nachweis dafür, dass Susi Greiner Opfer eines Verbrechens wurde. Mehrere Überprüfungen sprechen vielmehr für ein tragisches Unfallgeschehen.
Und dennoch bleibt ein Teil ihrer Geschichte ungelöst.
Warum verliess Susi ihr Auto? Warum lagen ihre persönlichen Gegenstände über das Tal verteilt? Was führte sie hinauf in das hochalpine Gelände? Und was geschah in den Stunden, bevor die 28-Jährige dort an Unterkühlung starb?
Mehr als 20 Jahre später lässt sich der genaue Ablauf ihrer letzten Stunden nicht mehr vollständig rekonstruieren.
Susi Greiners Tod gilt offiziell nicht als ungeklärtes Tötungsdelikt. Ungeklärt bleibt jedoch, was sie in jene Situation brachte, die sie schliesslich das Leben kostete.

Kategorien:

Tirol
Ungelöste Fälle

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