Ungelöst – Der Tote im Wald – elf Jahre lang verschwiegen
Redaktion Polizeiticker Österreich
Ein unbekannter Mann liegt jahrelang tot in einem österreichischen Wald. Der Besitzer des Grundstücks entdeckt die Leiche, verständigt jedoch nicht die Polizei. Erst mehr als zehn Jahre später beginnen die Ermittlungen. Ein Fahrradtrikot führt die Fahnder schließlich nach Deutschland.
Ein Fund, der jahrelang geheim bleibt
In einem abgelegenen Waldstück im österreichischen Bretsteingraben, unweit von Oberzeiring in der Steiermark, macht ein Jäger eine Entdeckung, die er der Polizei zunächst verschweigt: In seinem Wald liegt ein toter Mensch.
Nach eigenen Angaben entdeckt der Mann die sterblichen Überreste bereits 2014 oder 2015. Auch ein Fahrrad wird in dem Gebiet gefunden. Doch statt die Behörden zu verständigen, behält der Waldbesitzer seine Entdeckung für sich.
Seine spätere Erklärung ist ungewöhnlich: Er habe keine Unruhe in seinem Jagdrevier verursachen und die Wildtiere nicht stören wollen.
Erst im Mai 2025, als die Übergabe des Hofes und der Eigenjagd an seinen Sohn bevorsteht, wird der Fund schließlich gemeldet.
Zu diesem Zeitpunkt sind seit der ersten Entdeckung rund zehn bis elf Jahre vergangen.
Ein Toter ohne Namen
Am 8. Mai 2025 stellt die Polizei in dem abgelegenen Waldstück auf der Schwanberger Alm die menschlichen Überreste sicher.
Von dem Leichnam ist nach all den Jahren nur noch das Skelett übrig. Besonders auffällig: Der Schädel fehlt.
Die Ermittler stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe. Sie müssen nicht nur herausfinden, wie der Mann ums Leben kam, sondern zunächst einmal klären, wer er überhaupt war.
DNA-Analysen und Abgleiche mit bekannten Vermisstenfällen in Österreich und im Ausland bringen keinen Erfolg.
Ein anthropologisches Gutachten liefert zumindest erste Anhaltspunkte. Nach den im Juni 2026 veröffentlichten Erkenntnissen war der Unbekannte zum Zeitpunkt seines Todes vermutlich zwischen 40 und 60 Jahre alt und etwa 1,60 bis 1,70 Meter groß.
An seinen Knochen werden zudem mehrere verheilte Rippenbrüche sowie ein verheilter, offenbar unbehandelter Schlüsselbeinbruch festgestellt.
Auch der Todeszeitraum lässt sich eingrenzen. Nach Einschätzung der Sachverständigen dürfte der Mann zwischen 2014 und 2019 gestorben sein.
Wann genau sein Leben endete, bleibt ebenso ungeklärt wie die Todesursache. Ein Gewaltverbrechen kann die Polizei nicht ausschließen.
Ein Fahrrad wirft weitere Fragen auf
Neben den sterblichen Überresten beschäftigt ein weiterer Fund die Ermittler: ein schwarzes Fahrrad der Marke Cube LTD.
Das Rad stammt aus den Jahren 2003 bis 2007 und wurde mehrere Kilometer vom Fundort der Leiche entfernt entdeckt.
Der Waldbesitzer hatte das offenbar herrenlose Fahrrad nach seiner Entdeckung mitgenommen und auf seinem Hof untergestellt. Dort blieb es vor der Witterung geschützt und soll zwischenzeitlich sogar benutzt worden sein.
Die Polizei kann deshalb nicht sicher nachvollziehen, unter welchen Umständen das Fahrrad ursprünglich an seinen Fundort gelangte.
Auch die bekannte Rahmennummer hilft nicht weiter.
Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass das Rad mit dem unbekannten Toten in Verbindung steht.
Ein Trikot führt nach Deutschland
Während die Identität des Mannes weiterhin unbekannt bleibt, rückt seine Kleidung zunehmend in den Mittelpunkt.
Bei den sterblichen Überresten finden die Ermittler unter anderem eine schwarze Jogginghose und eine schwarze Regenjacke von Adidas, ein dunkelblaues Langarm-Radtrikot sowie eine schwarze Radlerhose.
Besonders interessant ist jedoch ein graues Fahrradtrikot mit den Aufschriften „NC Cycling Academy“ und „Just for Trainer“.
Die Spur führt nach Bremen.
Das Trikot stammt von der National Cycling Academy (NCA), die unter anderem Ausbildungen für Indoor-Cycling-Trainer anbot. Die Kleidungsstücke wurden in den Jahren 2008 und 2009 an Teilnehmer entsprechender Ausbildungen ausgegeben.
Könnte der unbekannte Tote also ein ausgebildeter Spinning-Trainer gewesen sein?
Die Ermittler hoffen, über das auffällige Kleidungsstück einen Namen zu finden.
Ein ehemaliger Ausbilder erinnert sich
Die Suche führt schließlich zu Ralph Butzin, dem Gründer der National Cycling Academy.
Er erkennt das Trikot wieder. Nach seinen Angaben erhielten es damals Trainer, die eine entsprechende Ausbildung absolviert hatten.
Butzin beginnt gemeinsam mit früheren Kollegen, alte Unterlagen zu durchsuchen. Mehr als 1.000 Trainer wurden im Laufe der Jahre ausgebildet.
Die Suche gestaltet sich also schwierig, denn die Kurse liegen lange zurück, vollständige Teilnehmerlisten existieren nicht mehr.
Hinzu kommt, dass die Ausbildungen nicht nur in Bremen, sondern eben auch in Österreich und der Schweiz angeboten wurden.
Das Trikot beweist deshalb nicht, dass der unbekannte Mann aus Deutschland stammte. Auch könnte es später an eine andere Person weitergegeben worden sein.
Trotzdem bleibt es eine der wichtigsten Spuren des Falls.
Neue Hinweise nach einer Fernsehsendung
Am 10. Juni 2026 stellt die österreichische Polizei den rätselhaften Fall in der Fernsehsendung „Fahndung Österreich“ vor.
Die Ermittler hoffen insbesondere auf Hinweise aus Deutschland. Vielleicht erkennt jemand das Trikot, erinnert sich an einen früheren Kursteilnehmer oder vermisst seit vielen Jahren einen Angehörigen.
Tatsächlich gehen nach der Ausstrahlung zahlreiche Hinweise ein, darunter auch Meldungen aus dem Raum Bremen.
Einige Personen nennen sogar mögliche Namen des Verstorbenen, doch der erhoffte Durchbruch bleibt aus.
Laut Berichten konnte keiner der bis dahin überprüften Hinweise zur Identifizierung des Mannes führen.
Auch Ralph Butzin und seine ehemalige Cycling-Community beschäftigt das Schicksal des Unbekannten weiterhin. Sie wollen Spenden sammeln, um in Österreich einen Gedenkstein für ihn aufzustellen.
Ermittlungsverfahren vorerst eingestellt
Im Juni 2026 wird außerdem bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Leoben das Verfahren gegen den Waldbesitzer wegen des Verdachts der Unterdrückung von Beweismitteln eingestellt hat.
Dem Mann konnte kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden. Allein das Verschweigen des Leichenfundes stellt nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Straftat dar.
Auch das Ermittlungsverfahren rund um den unbekannten Toten wird vorerst nicht weitergeführt, solange keine neuen Ermittlungsansätze vorliegen.
Die Identität des Mannes bleibt ungeklärt.
Wer war der unbekannte Radfahrer?
Mehr als ein Jahrzehnt nach der mutmaßlichen Entdeckung seiner Leiche weiß niemand, wer der Mann aus dem Bretsteingraben war.
War er tatsächlich ein ausgebildeter Indoor-Cycling-Trainer? Stammt er aus Deutschland, Österreich oder einem ganz anderen Land? Und weshalb wurde sein Verschwinden bislang mit keinem bekannten Vermisstenfall in Verbindung gebracht?
Auch die Umstände seines Todes bleiben rätselhaf, denn die Polizei konnte weder eine natürliche Todesursache feststellen noch ein Gewaltverbrechen nachweisen.
Wer Hinweise zur Identität des unbekannten Mannes, seinem Fahrrad oder dem auffälligen Radtrikot geben kann, wird gebeten, sich beim Landeskriminalamt Steiermark unter der Telefonnummer +43 59133 60 3333 oder bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden.